{"id":2393,"date":"2026-03-20T17:29:22","date_gmt":"2026-03-20T15:29:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sibyllekefer.at\/blog\/?p=2393"},"modified":"2026-03-20T17:29:22","modified_gmt":"2026-03-20T15:29:22","slug":"2393-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sibyllekefer.at\/blog\/2393-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"681\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.sibyllekefer.at\/blog\/wp-content\/uploads\/\/pressefotos-sibylle-kefer-by-ana-batinic-hoch-mit-hund2-681x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2394\" srcset=\"https:\/\/www.sibyllekefer.at\/blog\/wp-content\/uploads\/pressefotos-sibylle-kefer-by-ana-batinic-hoch-mit-hund2-681x1024.jpg 681w, https:\/\/www.sibyllekefer.at\/blog\/wp-content\/uploads\/pressefotos-sibylle-kefer-by-ana-batinic-hoch-mit-hund2-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.sibyllekefer.at\/blog\/wp-content\/uploads\/pressefotos-sibylle-kefer-by-ana-batinic-hoch-mit-hund2-768x1154.jpg 768w, https:\/\/www.sibyllekefer.at\/blog\/wp-content\/uploads\/pressefotos-sibylle-kefer-by-ana-batinic-hoch-mit-hund2-1022x1536.jpg 1022w, https:\/\/www.sibyllekefer.at\/blog\/wp-content\/uploads\/pressefotos-sibylle-kefer-by-ana-batinic-hoch-mit-hund2-1363x2048.jpg 1363w, https:\/\/www.sibyllekefer.at\/blog\/wp-content\/uploads\/pressefotos-sibylle-kefer-by-ana-batinic-hoch-mit-hund2-scaled.jpg 1703w\" sizes=\"auto, (max-width: 681px) 100vw, 681px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>ich finde, wir brauchen eine andere sicht auf die dringlichkeit von ressourcen f\u00fcr opfer von gewalt<\/p>\n\n\n\n<p>ich finde, wir brauchen eine andere sicht auf die selbstverst\u00e4ndlichkeit sicherer rahmenbedingungen f\u00fcr opfer von gewalt<\/p>\n\n\n\n<p>ich finde, wir brauchen eine andere sicht auf politische priorisierungen zur bereitstellung sicherer rahmenbedingungen mit bestm\u00f6glicher betreuung von opfern von gewalt<\/p>\n\n\n\n<p>wir brauchen ein differenzierteres hinschauen auf ein couragiertes zivilgesellschaftliches verst\u00e4ndnis von wertsch\u00e4tzendem zusammenleben<\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">die scham muss die seite wechseln<\/span><\/p>\n\n\n\n<p>seit tagen begleitet mich dieser satz von gisele pelicot\u00a0 wieder intensiv. die letzten beiden tage hatte ich traumatherapeutische fortbildungsseminare. auch dort ist der satz gefallen.<\/p>\n\n\n\n<p>ich w\u00fcnsche mir sosehr bereits so lange einen gesellschaftspolitischen paradigmenwechsel.\u00a0meine letzten beiden alben besch\u00e4ftigen sich zu einem gro\u00dfen teil mit struktureller gewalt. sie besch\u00e4ftigen sich mit dem umgang damit. mit strukturellem machtmissbrauch. mit patriarchalen strukturen, mit verschiebungen und verr\u00fcckungen. mit reaktionen und mit projektionen. und dem umgang damit.<\/p>\n\n\n\n<p>vorrangig aus der perspektive des opfers. ab und an aus der distanzierten, der vogel-pespektive. mit dem versuch einer einordnung, einer aufarbeitung, mit den sich immer wiederholenden mustern und neuerlichen verletzungen durch wiederholungen, mit der intensivierung des schmerzlichen durch absichtliches wegschauen, durch kleinreden und unsichtbarmachen und durch &#8211; ja, ich benenne es auch so &#8211; durch sadistisch anmutende entstellungen, verdrehungen und manipulationen. durch bewusstes inszenieren und gaslighting.<\/p>\n\n\n\n<p>ich kenne mittlerweile so viele dieser strategien. rauhe harte sprache. immer und immer wieder habe ich in meinen statements darauf hingewiesen. und in meiner kunst dies versucht zu verarbeiten und als mentalisierungsprozesse anzubieten.<\/p>\n\n\n\n<p>aus der traurigen position einer eigenen sicht, weil ich vieles davon nicht nur erlebt, sondern erst nach jahren der reflexion und zuordnung als gesellschaftlich strukturelles toxisches gebilde erkennen, und von meiner individuellen auf eine strukturelle position hieven konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>eine pers\u00f6nliche verschnaufpause durch dieses aha-erlebnis &#8211; ich war nicht mehr alleine, und es lag nicht an mir.<\/p>\n\n\n\n<p>ich habe mich lange und ausf\u00fchrlich und immer wieder zur (auch \u00f6sterreichischen) musikszene ge\u00e4u\u00dfert,&nbsp; ich habe strukturelle gewalt in institutionen erlebt und ich arbeite seit mittlerweile \u00fcber 25 jahren immer wieder musiktherapeutisch mit betroffenen opfern von gewalt &#8211; kindern, jugendlichen und eltern.<\/p>\n\n\n\n<p>ich habe einiges gesehen und geh\u00f6rt. und ich habe nicht geschwiegen. trotzdem wurde ich bis vor kurzem selten wahrgenommen. ich w\u00fcrde sogar weitergehen und sagen, ich wurde gemieden und kleingeschwiegen. ich war ungem\u00fctlich und ein bisschen unkontrollierbar. unangenehm. und dabei konnte man mich als uninteressant framen. die halbstarken coolen m\u00e4nner mit ihren besungenen kleineren und gr\u00f6\u00dferen unzul\u00e4nglichkeiten wurden sympathisch gesellschaftstauglicher verortet.<\/p>\n\n\n\n<p>auch das ist ein zeichen einer systemischen struktur.<\/p>\n\n\n\n<p>auch wenn meine lieder jahrzehntelang nicht gespielt wurden im \u00f6ffentlich rechtlichen rundfunk habe ich doch nicht aufgeh\u00f6rt, sie zu schreiben. weil die themen nicht aufgeh\u00f6rt haben zu existieren. <\/p>\n\n\n\n<p>und auch die gesellschaftspolitischen prozesse haben sich weiterentwickelt. es ist schw\u00e4rzer geworden. und wei\u00dfer. und noch schneller. und verrohter, w\u00fcrde ich mal eher d\u00fcster analysieren.<\/p>\n\n\n\n<p>umso wichtiger bleibt festzuhalten: gewalt ist gewalt ist gewalt.<\/p>\n\n\n\n<p>bitte, sch\u00fctzen wir die, die sie sich aufzuzeigen getrauen! so gut wir k\u00f6nnen. mit all den uns zur verf\u00fcgung stehenden mitteln. sie haben einen steinigen schweren mutigen gef\u00e4hrlichen weg hinter sich mit vermutlich vielen zerm\u00fcrbenden angstmachenden zweifeln an der sinnhaftigkeit einer prozentuell aussichtslosen, weil rein statistisch betrachtet kaum erfolgsversprechenden anzeige im gep\u00e4ck und einen vermutlich ebenso harten weg haben sie nun vor sich. sie sind nicht nur mutig, sie waren es bereits! und ausdauernd. jetzt sind sie besonders vulnerabel und geh\u00f6ren bestm\u00f6glich gesch\u00fctzt, begleitet und eingebettet.<\/p>\n\n\n\n<p>stellen wir uns vor und hinter sie und seien wir laut und w\u00fctend &#8211; f\u00fcr sie und mit ihnen &#8211; und solidarisch.<\/p>\n\n\n\n<p>und k\u00fcmmern wir uns auch um die t\u00e4ter. schauen wir ehrlich auf unsere gesellschaftsstrukturen und setzen wir fr\u00fcher an. in den kinderg\u00e4rten und schulen, investieren wir in die pr\u00e4vention. das ist &#8211; vielen studien zufolge &#8211; im \u00fcbrigen um ein x-faches billiger als erst danach innerhalb von langen resozialisationsprogrammen und -therapien viel geld in die hand nehmen zu m\u00fcssen um zu heilen, was \u00fcber jahre sukzessive mehr und mehr kaputtgegangen ist und in diesem sinne so nie mehr ganz heilbar sein wird. unterst\u00fctzen wir m\u00e4nneranlaufstellen und enttabuisieren wir sie.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>enttabuisieren wir die idee, sich als mann hilfe zu holen, wenn man nicht mehr weiter wei\u00df. bevor man wirklich gefahr l\u00e4uft, affektregulationsdurchbr\u00fcche zu bekommen und damit gef\u00e4hrlich zu werden. und bevor man grobe moralische werteverkennungen zu bagadellisieren beginnt.<\/p>\n\n\n\n<p>seien wir ehrlich mit unseren gesellschaftspolitischen mustern und schauen wir genauer hin, wie wir sie gerechter und sozialer anlegen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>zu viel verlangt?<\/p>\n\n\n\n<p>hoffentlich nicht!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ich finde, wir brauchen eine andere sicht auf die dringlichkeit von ressourcen f\u00fcr opfer von gewalt ich finde, wir brauchen eine andere sicht auf die selbstverst\u00e4ndlichkeit sicherer rahmenbedingungen f\u00fcr opfer von gewalt ich finde, wir brauchen eine andere sicht auf politische priorisierungen zur bereitstellung sicherer rahmenbedingungen mit bestm\u00f6glicher betreuung von opfern von gewalt wir brauchen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2393","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sibyllekefer.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2393","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sibyllekefer.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sibyllekefer.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sibyllekefer.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sibyllekefer.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2393"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.sibyllekefer.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2393\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2395,"href":"https:\/\/www.sibyllekefer.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2393\/revisions\/2395"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sibyllekefer.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2393"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sibyllekefer.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2393"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sibyllekefer.at\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2393"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}