Sibylle Kefer

Erst dachte ich, ich kann und will nichts schreiben. Und jetzt hat sichs von selbst geschrieben.

Ich sage immer von mir, dass ich ein vergesslicher Mensch bin.

Dass ich mich eher an Emotionen, als an Situationen und Bilder erinnern kann.

Lieber Willi, seit mich die Nachricht über deinen Tod erreicht hat, kommen mir ständig Situationen und Bilder in den Sinn, die ich mit dir erlebt habe, die mich zum Lachen, zum Weinen und zum Staunen brachten. Zum Lernen und zum Annehmen und Genießen. Die Zeit blieb stehen.

Ich hatte so ein Glück, und ich wußte es.

Meine Zusammentreffen mit dir waren immer mit einer großen Vorfreude verbunden. Manchmal konnte ich es gar nicht fassen, wie gut man es mit dir haben kann und wie gern ich dich habe. Dann musste ich dich einfach drücken.

Alles, was auch in meinen therapeutischen Begegnungen von Bedeutung ist, alles was ich dort sein und anbieten möchte, all das bekam ich von dir in den Momenten unserer Begegnungen. Einfach so, und eigentlich immer. So viel Unterstützung, die du mir gegeben hat. So viel Wertschätzung und immer wieder das Erinnern, dass ich mich selbst durchaus etwas wichtiger nehmen darf im musikalischen Kontext. Treffsicherheit in der Wahl der Themen und der Wahl der Worte, du hattest sie in Bezug auf mich immer. Ich habe mich nicht aufgedrängt – du hast mich trotzdem gesehen. Und mich ab und an auch angestupst, mich ein bisschen sichtbarer zu machen.

Auch dein Resonanz-Sein, dein Zuhören und auch dein Gut-sein-Lassen, ich werde es so vermissen.

Aber du hast mir einen großen Schatz mitgegeben, und mich, die Vergessliche, stupst er jetzt schon an mit den Erinnerungen, die mir begegnen. Und ich weine. Und ich lache.

Es ist unglaublich beeindruckend, wie viele Menschen du auf verschiedenste Weisen berührt hat, die dies nun auf ebenso berührende Weise kundtun.

Und ach, herrje, ich kann es einfach nicht fassen.

Was es für mein Musizieren bedeutet, dass sich unsere Wege musikalisch trafen, ist nicht in Worte zu fassen. Ich bin dem Ernst unendlich dankbar, dass ich Teil der Combo sein durfte.

Und ich hab so viel gelernt.

Ab und an erzähle ich ja bei meinen eigenen Konzerten die Geschichte, als wir beide hinter der Bühne auf unsere Auftritte warteten – ich glaube, es war in Bregenz und es war einer der frühen Auftritte von dir beim Ernst. Du gingst auf und ab und ich fragte dich, wie es dir ginge. Schon etwas aufgeregt, sagtest du, und dass du dir wünschen würdest, dass es beim Musizieren so wäre, als würde man zuhause in seinem Wohnzimmer musizieren gemeinsam. Und dies sich für alle dann so anfühlen – die Zuhörenden und die Musizierenden.

Ich denke seither vor jedem Auftritt daran. Es ist ein wunderschöner Leitfaden, was Musik sein kann. Ein großes gemeinsames Ganzes bei dem jeder gleich wichtig ist und sich einbringt mit dem, was er gerade ist – musizierend und Resonanz seiend.

Lieber Wilhelm, ich bin unendlich traurig und dankbar für unendlich Vieles!

Meine tiefe Anteilnahme der Roswitha und deiner ganzen großen Familie in dieser schrecklich schweren Zeit.

🖤🤍

Sibylle

Dieses Bild hat der Hannes Wirth im Lehartheater beim Soundcheck vor fast genau 9 Jahren gemacht. Du bist der mit der Kappe im Hintergrund.

Christoph und ich haben am nächsten Tag geheiratet.